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Die Spinnerei Kunz in einer Aufnahme nach 1864. Im Vordergrund in der Mitte ist die Spinnerei III als grösstes Gebäude erkennbar.

Der Spinnerkönig von Windisch

Der Zürcher Industrielle Heinrich Kunz baute 1827 in Windisch eine Spinnerei, die zusammen mit anderen Standorten im Zürcher Oberland zu seinem stetig wachsenden Spinnerei-Imperium gehörte. Die Lage des Areals war ideal: Die Reuss lieferte Energie für die Wasserräder und die Wege in die Städte und damit in die wichtigsten Absatzmärkte waren kurz.

 

Ende der 1830er Jahre besass Kunz neun Prozent aller Spindeln in der Schweiz. Damit war die Spinnerei Kunz das grösste Spinnereiunternehmen des Landes. Zwischen 1835 und 1845 kaufte er weitere Spinnereien dazu - 150'000 Spindeln waren fortan in Betrieb. Damit erzielte er einen Umsatz von 3,5 Millionen Franken pro Jahr und galt damit als grösster Spinnereiunternehmer in Europa. Um 1900 - zu dieser Zeit war die Spinnerei Kunz in Windisch das grösste Industrieareal der Schweiz - beschäftigte er allein in Windisch über 1'500 Leute. Seine Expansionsgelüste trugen ihm den Übernamen «Spinnerkönig» ein.

 

Das Industrieunternehmen Oerlikon-Bührle übernahm 1941 nach verschiedenen Eigentümerwechseln die Kunz-Gruppe und damit auch den Standort Windisch. Nach gescheiterten Rettungsversuchen schloss die Spinnerei Kunz in Windisch ihre Tore im Jahr 2000 endgültig. Das Ensemble der Fabrik ist jedoch weitgehend erhalten geblieben und damit ein wichtiger Zeuge der vergangenen industriellen Blüte.